Achtsamkeit mit Pferden: Ein Interview mit Julica Valentiner

Achtsamkeit mit Pferden:
Ein Interview mit Julica Valentiner

07.03.2110 Min.

Julica Valentiner ist eine echte Heldin und Expertin auf dem Gebiet der Achtsamkeit. Ihre große Leidenschaft sind Menschen und ihre Geschichten dahinter. Da lebensverändernde Ereignisse mit in den Sattel genommen werden und den Umgang mit Pferden beeinflussen können, hat sie sich auf das neurozentrierte Training sowie die Bewältigung von Traumata und Achtsamkeit spezialisiert. Mit ihrer Arbeit möchte sie den Menschen dabei helfen, sich von ihren Altlasten zu befreien, um so einen achtsamen Umgang mit sich selbst und ihren Pferden zu erreichen.

Was ist deine Pferde-Superkraft?
Meine Superkraft ist: Intuition

Welche Trainer oder Ansätze haben dich inspiriert?
Wirklich viele! Tatsächlich auch sehr viele, die gar nichts mit Pferden zu tun haben. Die Transferleistung in den Pferdebereich habe ich dann immer selbst gemacht und die Konzepte auf die Reiterwelt angepasst.

Hast du ein Vorbild? Wer ist dein persönlicher Pferdeheld?
Mein Opa. Ein Pferdeliebhaber der alten Schule. Stets mit Respekt und Würde dem Pferd begegnen ist ein Satz von ihm, den ich schon als Kind verinnerlicht hatte.

Welches Pferd war oder ist dein größter Lehrmeister?
Mein Pony Maybe – der Name ist Programm. Aber tatsächlich gibt mir jedes Pferd, mit dem ich arbeite, das Gefühl etwas von ihm zu lernen! Denn jede Begegnung ist einzigartig, berührt und lehrt auf seine eigene Art.

Du hast dich im Pferdebereich auf eine ganz besondere Thematik spezialisiert, was hat dich auf diesen Weg gebracht?
Meine eigene Geschichte. Als ich Anfang 20 war, habe ich gemerkt, dass ich mehr mit in den Sattel nehme, als ich möchte und das die „Altlasten“, die ich körperlich und emotional mit mir herumtrage, die Harmonie und den Dialog mit meinem Pony beeinträchtigen. So kam es, dass ich mich auf das Thema Trauma und Reiten spezialisiert habe. In den letzten Jahren kamen dann die Geburten meiner Töchter hinzu, die mich nicht nur körperlich auf eine Reise geschickt haben, sondern auch mental und emotional. Diese Erfahrungen haben mich für das Thema Rückbildung und Beckenbodentraining für Reiter begeistert und auch für das neurozentrierte Training.

Was ist neurozentriertes Training?
Beim neurozentrierten Training werden Übungen gemacht, die direkt auf das Gehirn Einfluss nehmen und damit oft große Wirkung erzeugen können. Im Reiten trainieren wir oft outputbasiert, d. h. wir wiederholen eine Übung, bis sie besser klappt. Manchmal kann das der richtige Weg sein, aber das kann auch ziemlich langweilig und frustrierend sein. Vor allem ist es aus neurozentrierter Sicht auch total ineffektiv, wenn das Problem kein outputbasiertes Problem, sondern ein interpretations- oder inputbasiertes Problem ist. Beispiel: Das Pferd findet nicht den richtigen Absprung am Oxer. Outputbasiertes Training würde bedeuten, den Oxer immer wieder zu springen bis es besser klappt. Wenn nun aber das Ganze gar kein Trainingsproblem ist, sondern zum Beispiel daran liegt, dass das Pferd keine gute Propriozeption hat – sich also nicht gut spürt und auch kein Gefühl dazu hat, wo es sich befindet im Verhältnis zu anderen Dingen – dann nützt es eben nichts, den Oxer immer wieder zu springen, sondern das Training eher auf Propriozeption auszurichten. Das kann dann auch Bodenarbeit mit einem Target sein.

Welche Ansätze sind Teil deiner ganzheitlichen Arbeit mit Reitern und Reiterinnen?
Die folgenden Ansätze sind Teil meines ganzheitlichen Konzeptes: TRE®, Liz Koch, Neuroathletik, modernes Beckenboden Training, Flowtheorie.

Der Fokus liegt bei dir ganz klar auf dem Menschen. Was genau trainierst du mit ihnen?
Mein Ziel ist es herauszufinden, was die Altlasten des Reiters sind. Dabei kann es sich um körperliche, mentale und emotionale Themen handeln. Denn die Altlasten stehen dem feinen Reiten in Harmonie im Weg. Sitzkunst ist mehr als Sitzschulung. Sitzkunst bedeutet, sich mit seinen Themen auseinanderzusetzen und sie in der Tiefe zu bearbeiten.

Mentales Training ist für viele schwer greifbar. Wie funktioniert die Umsetzung und der Bezug zur Praxis am Pferd?
Die Arbeit mit dem Kopf beginnt für mich erstmal mit einer Übung, bei der es darum geht “leer” zu sein. Ganz nach dem Motto „noch mind full oder schon mindful”.

Du sprichst von Sitzkunst, was genau macht den Reitersitz in deinen Augen zu einer “Kunst”? Worin genau liegt die Kunst beim richtigen Reitersitz?
Ich empfinde Reiten als Kunst und nicht als Sport. Natürlich muss ich in gewisser Weise fit und sportlich sein, um mich mit meinem Pferd bewegen zu können. Natürlich darf ich auch mal aus der Puste sein, aber Reiten ist für mich so viel mehr. Für mich ist es Selbstreflexion und ein Prozess, der alle Höhen und Tiefen hat.
Damit er gelingt, müssen wir uns im Flow befinden – ein Zustand, in dem wir Raum und Zeit vergessen und unserer Intuition folgen. Wenn wir uns im Reiten verlieren, dann sind wir dem Künstler näher als dem Sportler.

Mit welchen Problemen kommen deine Kunden zu dir?
Die meisten wollen besser auf dem Pferd sitzen oder haben in speziellen Lektionen Probleme. Manche Berufsreiter kommen auch zu mir, weil sie merken, dass alle ihre Berittpferde nach ein paar Monaten ähnliche Schiefen entwickeln und sie vermuten, selbst der Grund dafür zu sein.

Hast du hier im Laufe der Zeit Trends oder Veränderungen beobachten können?
Ja! Früher ging es vielen Reitern darum, einfach das Problem aus dem Weg schaffen zu wollen. Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass sich sehr viel im Bereich Achtsamkeit und Selbstreflexion getan hat. Ich habe das Gefühl, dass der Satz „Der Weg ist das Ziel“ heute mehr gelebt wird.

Gibt es eine Geschichte, in der du einer Person und ihrem Pferd geholfen hast, die dir ganz besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Oh Ja! Es ist schon einige Jahre her, da habe ich eine Reiterin in einem Lehrgang in Australien unterrichtet, die ziemlich aggressiv mit ihrem Pferd umging und sehr fest im Becken war. Im Rahmen der Körperarbeit stellte sich heraus, dass sie als Kind Gewalt und Missbrauch erlebt und sich nicht nur der gesamte Körper zum Schutz zusammengezogen, sondern sich auch emotional eine gewisse Kälte ausgebreitet hatte. Wir konnten im Rahmen des Lehrgangs und durch Einzelsitzungen an diesen Themen arbeiten. Am Anfang war es sehr schwer für sie, den Schmerz darüber zuzulassen, wie viel Einfluss die Kindheitserfahrungen noch heute auf ihr Reiten und die Beziehung zu Ihrem Pferd haben. Aber ab dem Punkt ging es in großen Schritten vorwärts, denn nun konnte sie ihre Aggressionen und ihre Festigkeit zuordnen und auflösen. Die zuerst erlebte Hilflosigkeit in unserer Zusammenarbeit wurde Stück für Stück durch das Gefühl von Stärke und Tatkraft ersetzt. Bereits eine Woche nach dem Lehrgang konnte sie sich viel mehr auf das Pferd einlassen, ohne innerlich Kontrollverlust zu spüren.

Man sagt: Pferde kommen aus einem bestimmten Grund zu uns. Siehst Du das genauso?
Ja, das glaube ich! Aber ich glaube auch, dass es zu jedem Topf mehr als einen Deckel gibt. Mein Pony heißt „Maybe“ und ich sage euch… der Name ist Programm. Das ist für mich immer wieder sehr lehrreich.

Wie findet man in unserer schnelllebigen Welt die richtige Energie und Balance für eine harmonische Pferd-Mensch-Beziehung?
Ich glaube, dass es wirklich mit der eigenen Achtsamkeit anfängt. Wie fühle ich mich?! Wie fühle ich, wenn ich Hunger oder Durst habe, ich müde bin, etwas gut oder schlecht für mich ist? Bin ich im Hier und Jetzt? Eine so schnelllebige Welt, in der wir mehr Input bekommen, als wir verarbeiten können, führt leider ganz automatisch dazu, dass wir manchmal einfach aus Schutz abschalten. Wichtig für uns ist es, das zu merken und einen Gang runterzufahren, damit es kein dauerhafter Zustand wird. Denn wenn das passiert, sind wir ziemlich weit von uns und somit auch von unserem Pferd entfernt. Pferde sind Meister darin, im Hier und Jetzt zu sein. Die Zeit ist gekommen, dass von ihnen zu lernen.

Wie schaffst du einen achtsamen Umgang mit dir und den Pferden?
Ich habe so einige Rituale und Techniken, die ich in meinem Hörbuch „Mindful Minutes“ zusammengefasst habe. Das Wichtigste ist wirklich, den Alltag hinter sich zu lassen. Und ich versuche gut hinzuschauen und hineinzufühlen. Das hilft mir, in die Welt des Pferdes körperlich, mental und emotional einzusteigen – ganz nach dem Motto „the power of now“

Was ist der wichtigste Rat von dir an andere Pferdebesitzer zum Thema Sicherheit?
Seinem Bauchgefühl zu folgen. Oft höre ich Reiter nach einem Sturz sagen „Ich hatte heute schon so ein komisches Gefühl“ oder „Hätte ich mal auf meinen Bauch gehört“. Ich glaube, dass manche Unfälle oder Stürze passieren, weil wir mehr wollen als das, was eigentlich gerade geht. Wenn wir uns erlauben, dass zu fühlen und damit Frieden zu schließen, bringen wir uns und unser Pferd weniger in Gefahr. Und Ja, das ist mitunter frustrierend, aber ich glaube, dass das der einzig reelle Weg ist.

Was bedeutet Sicherheit im Zusammenhang mit Pferden für dich?
Für mich bedeutet es, sich gut zu kennen und dennoch zu wissen, dass Pferde manchmal anders reagieren, als wir denken – auch wenn wir sie noch so gut kennen! Ich passe meine Sicherheitsvorkehrungen tatsächlich auch den einzelnen Pferden an und berücksichtige dabei auch meine und die Tagesform des Pferdes. Wenn ich meine Bedürfnisse ernst nehme und gut für mich sorge, dann strahle ich automatisch mehr Ruhe und Gelassenheit aus und das wirkt sich dann ja auch auf das Pferd aus. So schaffe ich nicht nur technische, sondern auch mentale und emotionale Sicherheit.

Was ist neurozentriertes Training?
Beim neurozentrierten Training werden Übungen gemacht, die direkt auf das Gehirn Einfluss nehmen und damit oft große Wirkung erzeugen können. Im Reiten trainieren wir oft outputbasiert, d. h. wir wiederholen eine Übung, bis sie besser klappt. Manchmal kann das der richtige Weg sein, aber das kann auch ziemlich langweilig und frustrierend sein. Vor allem ist es aus neurozentrierter Sicht auch total ineffektiv, wenn das Problem kein outputbasiertes Problem, sondern ein interpretations- oder inputbasiertes Problem ist. Beispiel: Das Pferd findet nicht den richtigen Absprung am Oxer. Outputbasiertes Training würde bedeuten, den Oxer immer wieder zu springen bis es besser klappt. Wenn nun aber das Ganze gar kein Trainingsproblem ist, sondern zum Beispiel daran liegt, dass das Pferd keine gute Propriozeption hat – sich also nicht gut spürt und auch kein Gefühl dazu hat, wo es sich befindet im Verhältnis zu anderen Dingen – dann nützt es eben nichts, den Oxer immer wieder zu springen, sondern das Training eher auf Propriozeption auszurichten. Das kann dann auch Bodenarbeit mit einem Target sein.

Mehr zu Julica Valentiner & ihren Schulungen erfährst du hier

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