Tore hüten statt Schafe hüten.

Der Sommer 2018 steht ganz im Zeichen der WM in Russland. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, diesen Monat einen Fußballspieler zu unserem Helden des Monats zu küren. Alireza Beiranvand ist der Torwart der iranischen Nationalmannschaft. Was viele nicht wissen: Der junge Spieler hat schon ein bewegtes Leben hinter sich.

Welcher kleine Junge träumt nicht davon, einmal ein großer Fußballer zu werden?

Geboren als Kind in einer Nomadenfamilie der westiranischen Provinz Lorestan, träumte er wie viele andere Jungen auf der ganzen Welt, nur davon Fußballspieler zu werden. Doch in Nomadenfamilien müssen alle anpacken, auch die Kinder. Der älteste Sohn muss besonders viel Verantwortung übernehmen. Beiranvand konnte sich nicht mit seinem Schicksal abfinden. Sein Vater hielt nichts von der Träumerei, zerriss ihm sogar einmal die Handschuhe, um dem ganzen ein Ende zu setzen. Und so spielte Beiranvand einfach ohne Handschuhe weiter. Er lieh sich Geld von einem Verwandten und kaufte sich davon ein One-Way-Ticket in die Hauptstadt Teheran. Dort hangelte er sich von Job zu Job. Zeitweise übernachtete er auf der Straße. Im Schatten des Wahrzeichens von Teheran – dem Freiheitsturm – verbrachte er viele Nächte als Obdachloser. Zu dieser Zeit durfte er beim Vahdat FC, einem kleinen Verein in Teheran, mittrainieren. Über den Verein fand er einen Job und einen Schlafplatz in einer Fabrik.
Das alles passierte noch bevor der Junge 16 Jahre alt war! In diesem Alter bekam er eine Chance beim iranischen Erstligisten Naft Teheran. Zu Beginn schlief er im Gebetsraum des Vereins. Mit einfachen Jobs hielt er sich über Wasser, den Fokus immer auf dem Traum zum Profi-Fußballer. Und das sollte sich bezahlt machen. Er wurde erst im U23-Team von Naft Teheran die Nummer eins und schaffte kurz darauf den Durchbruch bei den Profis. Und heute spielt er bei der WM. Hält Freischüsse vom Spanier David Silva und steht Christiano Ronaldo gegenüber.

Markenzeichen: Super-Wurf

Besonders auffällig sind seine weiten Abwürfe. 2014 hat er einen Treffer mit einem 70 Meter langen Abwurf vorbereitet. In den zwölf Spielen der WM-Qualifikation ging an dem Wunderjungen kein Ball vorbei. Und jetzt bei der WM 2018 hat er im Spiel gegen Portugal sogar Ronaldos Elfmeter gehalten! Auch wenn die WM 2018 jetzt für Iran vorbei ist, die Geschichte und der Kampfgeist von Beiranvand sind einfach heldenhaft.